Presse Grenz-Echo Artikel 24.01.2024

Publié le 25 janvier 2024 à 06:17

Das Thema Bankautomaten beschäftigt nicht nur das DG-Parlament, sondern auch weite Teile der Bevölkerung. Als sich Jurgen Hermann vor einigen Monaten in den sozialen Medien über Anbieter Batopin ärgerte, erhielt der St.Vither einen unerwartet großen Zuspruch. Das veranlasste ihn, eine Gruppe zu gründen und sich angesichts des Erfolgs weitere Mitstreiter mit ins Boot zu holen. Kürzlich führten die Initiatoren sogar ein Gespräch mit Batopin in Brüssel.

Jurgen Hermann erinnert sich genau an seinen ersten Kontakt mit den Bankautomaten des Unternehmens Batopin, die unter dem Namen „Bancontact“ firmieren: „Ich machte Urlaub an der belgischen Küste und wollte Geld abheben. Da bin ich auf diese Automaten gestoßen. Ich wunderte mich und glaubte an eine Neuheit in Flandern. Kurze Zeit später wollte ich zu meiner Bank in Ostbelgien und sah plötzlich keinen Automaten mehr. Also musste ich zu den neuen Bankautomaten an der Malmedyer Straße in St.Vith. Dort habe ich mich aber dermaßen über den schlechten Service geärgert, dass ich danach einen Post auf Facebook abgesetzt habe. Zu meinem großen Erstaunen habe ich sehr viele Reaktionen auf meine Nachricht bekommen. Da habe ich mir gedacht. Warum nicht eine Gruppe gründen?“

Gesagt, getan: Jurgen Hermann erstellte auf der Plattform eine Gruppe, in der die Menschen aufgerufen wurden, ihre Erfahrungen mit den neuen Geldautomaten der Firma Batopin öffentlich zu teilen.  Der Zuspruch ließ nicht nach, im Gegenteil: Es wurden von Tag zu Tag mehr Mitglieder, sodass der St.Vither langsam den Überblick verlor. Als Anja Schmitt ihm eine Petition vorschlug, nahm er die Weppelerin in die Liste der Admins auf. Es folgten Stefan Hoffmann aus Meyerode und schließlich Marina Schwall aus Hinderhausen.

Letztere hatte in der Gruppe für Aufsehen gesorgt, weil sie eine besonders unangenehme erste Erfahrung mit den Bankautomaten von Batopin hatte: „Mitte Juli wollte ich den neuen Automaten in St.Vith testen. Weil ich eine Sehbehinderung habe, kann ich weder lesen noch schreiben. Also muss ich bei der Nutzung der Geldautomaten Kopfhörer benutzen, damit mir der Bildschirm vorgelesen wird. Als ich die Kopfhörer in St.Vith einsteckte, wurde der Inhalt laut im Raum vorgetragen. Ich traute meinen Ohren nicht.“ Wie sich später herausstellen sollte, war die Funktion in ganz Belgien noch nicht ausgereift. Erst seit rund einem Monat funktioniert das System mit Kopfhörern. Zeitnah sollen die Automaten auch mit einer Brailleschrift versehen werden.

In ihren Beiträgen stoßen sich die Nutzer vor allen Dingen an der Verfügbarkeit und Zugänglichkeit der Geldautomaten. Die ungenügende Anzahl an Bankautomaten, die häufige Ausfallquote, die mangelnde Barrierefreiheit und die fehlende Vertraulichkeit werden regelmäßig beklagt. „Die Liste ist lang“, betont Anja Schmitt. „Die Parkplatzsituation ist zudem oft problematisch und von der Sauberkeit wollen wir erst gar nicht reden. Kürzlich stand der Raum in St.Vith unter Wasser.“

Die wiederkehrende Kritik haben die Verantwortlichen der Gruppe zum Anlass genommen, um konkret zu handeln, frei nach dem Motto: „Nicht nur meckern, machen!“ Neben der erwähnten Petition, die Anja Schmitt initiiert hat, wurden Gespräche geführt. Zunächst auf politischer Ebene, unter anderem mit dem EU-Abgeordneten Pascal Arimont (CSP) und DG-Ministerpräsident Oliver Paasch (ProDG): „Wir arbeiten nicht gegen die Politik, sondern wollen gemeinsam eine Verbesserung der Situation erreichen.“ Auch wurden die hiesigen Bürgermeister angeschrieben.

Anfang Januar waren Jurgen Hermann und Stefan Hoffmann sogar bei Batopin in Brüssel zu Gast. Zur Erinnerung: Batopin ist ein Zusammenschluss der Großbanken BNP Paribas Fortis, KBC, ING und Belfius und betreibt in deren Namen unabhängige Bankautomaten. „Das Treffen habe ich ehrlich gesagt nicht für möglich gehalten“, blickt Jurgen Hermann zurück. „Stefan hat die Verantwortlichen einfach geschrieben und sehr schnell bekamen wir eine positive Antwort. Unsere Initiative war ihnen bekannt.“

„Wir haben uns einige Aspekte erklären lassen“, berichtet Stefan Hoffmann. „Es war beispielsweise interessant zu erfahren, warum die Auswahl der Geldscheine beschränkt ist. Das hat mit den Geldkassetten zu tun. Es stehen nur vier pro Automat zur Verfügung. Wenn zu viele kleine Scheine darin sind, ist der Automat schneller leer. Trotzdem hat uns Batopin zugesichert, dass spätestens bis Karneval Fünf-Euro-Scheine verfügbar sein werden. Dies wird Menschen mit weniger Geld und Schülern mit Taschengeld helfen.“

Auch wurde die Barrierefreiheit angesprochen. In St.Vith befindet sich am Eingang eine Schwelle, die Rollstuhlfahrer vor große Probleme stellt. Gemeinsam mit der Stadt wird Batopin an einer Lösung arbeiten.

Die beiden Eifeler sprachen sich auch für mehr Standorte im Süden Ostbelgiens aus, beispielsweise in Recht oder Manderfeld, wo die Bankautomaten in der jüngeren Vergangenheit verschwunden sind. Batopin hat den Wunsch laut eigener Aussage zur Kenntnis genommen und erklärte in diesem Zusammenhang, auf der Suche nach einem geeigneten Standort in Bütgenbach zu sein. Außerdem wurde ihnen zugesichert, dass der KBC-Automat in Grüfflingen bestehen bleibt, bis ein neuer „Bancontact“-Automat eingerichtet wurde. Auch war es Jurgen Hermann und Stefan Hoffmann wichtig, auf Automaten mit einer Einzahlungsmöglichkeit zu pochen. Dies ist beispielsweise in Amel nicht möglich.

„Wenn ein Automat während einer Einzahlung abstürzt, muss sich der Geschädigte übrigens mit seiner Hausbank in Verbindung setzen, weil Batopin nicht über die persönlichen Daten der Nutzer verfügt, lediglich über die Nummer der Karten“, ergänzt Jurgen Hermann in diesem Zusammenhang.

An der Privatsphäre scheiden sich die Geister. Batopin geht nur bedingt darauf ein, weil die Verantwortlichen überzeugt sind, bereits ausreichend für die Sicherheit zu tun. In der Praxis fühlen sich die Nutzer aber oft beobachtet, insbesondere zu stark frequentierten Zeiten.

Im November wurde auf Ebene der DG eine Taskforce Bankautomaten mit allen deutschsprachigen Gemeinden, der Verbraucherschutzzentrale, Pascal Arimont (CSP/EVP) und Oliver Paasch gegründet. Diese greift auch auf Informationen der Bürgerinitiative zurück. Am 20. Februar steht ein Treffen der Taskforce mit Batopin an: „Wir wurden gebeten, alle Informationen zu bündeln, damit diese erneut besprochen werden. Die Taskforce möchte sehen, ob die Versprechen, die uns Anfang Januar gemacht wurden, auch in die Tat umgesetzt wurden oder werden“, kündigt Jurgen Hermann an. „Auch wir werden am Ball bleiben und die Entwicklung beobachten.“

Inaktiv bleibt die Gruppe nicht. Der Wirkungskreis wurde auf die soziale Plattform Instagram ausgeweitet, worum sich Jurgen Hermanns Tochter Jana kümmert. Auch gibt es die Facebook-Gruppe mittlerweile in drei Sprachen, weil ihnen keine ähnliche Initiative in anderen Landesteilen bekannt ist. Der Erfolg hält sich außerhalb von Ostbelgien noch in Grenzen, doch die engagierte Truppe möchte daran arbeiten.

Zudem wurden Plakate und Flyer gedruckt, die auf die Aktion und die neue Webseite www.jasonicht.be hinweisen. Dort wird auch verdeutlicht, dass sie nicht gegen die neuen Geldautomaten sind, sondern auf eine Verbesserung des Angebots pochen. Daher auch der Name: „Cash Bancontact – Ja so nicht“. Nicht zuletzt spielen die Initiatoren mit dem Gedanken, einen Infoabend zu organisieren, um Menschen ohne Zugang zu Internet oder den sozialen Medien zu erreichen. „Wir tun unser Bestes“, bestätigt Jurgen Hermann. „Die Menschen dürfen nicht vergessen, dass wir in unserer Freizeit aktiv sind. Wir machen das alles ehrenamtlich. Uns allen ist an einer deutlichen Verbesserung der Situation gelegen. Dafür setzen wir uns ein.“

Kontakt: info@jasonicht.be

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